Pubertät, Mutterschaft und Wechseljahre: Die drei grossen hormonellen Veränderungen im Leben einer Frau
Es ist mir ein grosses Anliegen, dass Frauen verstehen, dass wir in unserem Leben mehrere grosse hormonelle Übergänge durchlaufen. Die Pubertät, die Mutterschaft und die Wechseljahre. Wenn eine Frau keine Kinder bekommt, entfallen Schwangerschaft und Mutterschaft – die Pubertät und die Wechseljahre erleben wir alle.

Die erste Pubertät beginnt in der Jugend und ist die Phase, in der der Körper und das Gehirn sich stark weiterentwickeln. Der Menstruationszyklus setzt ein und markiert den Beginn der Fruchtbarkeit. Hormone wie Östrogen steigen an und lösen viele körperliche Veränderungen bei Frauen aus: Brüste wachsen, Schambehaarung entwickelt sich und die Körperform verändert sich. Auch das Gehirn durchläuft grosse Umstellungen, die Gefühle, Stimmungen und die Identität beeinflussen. Diese Phase ist geprägt von Wachstum, Entdeckung und der Suche nach dem eigenen IchIch habe manchmal das Gefühl, dass wir die Pubertät als etwas ganz Selbstverständliches betrachten: Natürlich verändert sich der Körper in dieser Zeit. Natürlich braucht es Zeit, bis man sich in diesem neuen Körper zurechtfindet. Natürlich kann sich auch emotional einiges verändern. Niemand würde von einem zwölfjährigen Mädchen erwarten, dass ihr Körper sich verändert und sie einfach genau gleich weitermacht wie vorher.
Bei erwachsenen Frauen machen wir das hingegen erstaunlich oft.
Dabei sind auch Schwangerschaft, Mutterschaft und die Wechseljahre tiefgreifende Übergänge.
Die zweite Phase, oft auch „Muttertät“ genannt, tritt mit der Mutterschaft ein.
Das Gehirn verändert sich erneut, um sich auf Bindung, Verantwortung und neue Prioritäten einzustellen. Forschende konnten zeigen, dass diese Veränderungen tatsächlich in Gehirnscans sichtbar sind und sich auf Regionen auswirken, die für Empathie, Gedächtnis und Stressregulation zuständig sind. Viele dieser Anpassungen bleiben langfristig bestehen.
Auch der Körper verändert sich stark: Hormone wie Östrogen und Progesteron schwanken während Schwangerschaft und Geburt, Bauch und Brust passen sich an, das Gewebe wird weicher und der Beckenboden wird stärker beansprucht. Viele körperliche Veränderungen bleiben über Jahre spürbar. Diese Phase ist intensiv, fordert Anpassung und Kraft, bringt aber gleichzeitig neue Fähigkeiten, ein verändertes Körperbewusstsein und nachhaltige Gehirnveränderungen mit sich.
Die dritte Phase tritt mit den Wechseljahren ein und bedeutet weitere Veränderungen im Leben einer Frau und einen tiefgreifenden Umbruch. Das Gehirn und das Nervensystem passen sich erneut an. Hormone wie Östrogen und Progesteron nehmen deutlich ab, der Menstruationszyklus wird unregelmässig oder bleibt aus. Körperliche Veränderungen wie Muskelabbau, veränderter Stoffwechsel oder neue Bedürfnisse treten auf. Auch in dieser Phase gilt: Der Körper entwickelt sich weiter, und obwohl vieles ungewohnt oder herausfordernd ist, eröffnet sie neue Möglichkeiten für Selbstwahrnehmung und Neuorientierung.
Das bedeutet nicht, dass jede Frau diese hormonellen Veränderungen gleich erlebt. Und natürlich ist nicht jede Veränderung automatisch ein Problem. Aber ich finde es wichtig, dass wir überhaupt anerkennen, dass hier sehr viel passiert.
Unser Körper bleibt nicht ein Leben lang gleich.
Und vielleicht dürfen wir deshalb auch aufhören, von uns zu erwarten, dass wir uns selbst und unseren Körper immer gleich behandeln müssen.
Was während der Pubertät richtig war, muss mit 35 nicht mehr zu uns passen. Was vor einer Schwangerschaft funktioniert hat, muss nach der Geburt nicht automatisch der richtige Weg zurück sein. Und was mit 30 gut funktioniert hat, muss sich in den Wechseljahren nicht mehr gleich anfühlen oder genauso funktionieren.
Für mich bedeutet Frauengesundheit deshalb auch, diese Übergänge zu verstehen und zu würdigen. Nicht, um Frauen Angst vor Veränderungen zu machen oder jede Lebensphase zu problematisieren. Sondern ganz im Gegenteil: um besser zu verstehen, was unser Körper gerade leistet und was er in dieser Phase von uns braucht.
Vielleicht braucht es manchmal mehr Erholung. Vielleicht eine andere Art zu trainieren. Vielleicht mehr Krafttraining, ausreichend Nahrung oder mehr Aufmerksamkeit für den eigenen Zyklus. Und manchmal braucht es auch einfach die Erkenntnis, dass man sich gerade in einer grossen Übergangsphase befindet und es völlig verständlich ist, wenn sich manches anders anfühlt.
Ich glaube, wir dürfen diese Veränderungen viel mehr anerkennen, statt sie einfach zu übergehen.
Denn es sind nicht nur kleine hormonelle Schwankungen, die wir irgendwie nebenbei bewältigen müssen. Es sind grosse biologische Übergänge im Leben einer Frau.
Und ich finde, unser Körper darf dafür auch Raum bekommen.



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