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Hilfe, meine Periode bleibt aus! Hypothalamische Amenorrhoe oder PCOS?

Wo bleibt meine Periode?

Manchmal wirkt es ganz schön angenehm, wenn die Periode ausbleibt. Keine Einschränkungen im Alltag, keine Schmerzen oder andere Symptome. Doch tief in uns drinnen wissen wir, dass dies nicht normal ist. Spätestens wenn ein Kinderwunsch auftaucht, sind wir gezwungen uns diesem Problem anzunehmen. Doch auch wenn du aktuell keine Kinder möchtest oder bereits welche hast, solltest du deine ausbleibende oder unregelmässige Periode nicht auf die leichte Schulter nehmen. Dein Zyklus ist Botschafter deines Körpers. Ausbleibende oder verspätete Zyklen und Zyklen ohne Eisprung weisen darauf hin, dass dein Fortpflanzungssystem aktuell nicht funktioniert, wie es sollte.


Amenorrhoe, Oligomenorrhoe und anovulatorische Zyklen

Amenorrhoe: Das Ausbleiben der Menstruation wird als Amenorrhö oder Amenorrhoe bezeichnet. Dabei wird zwischen primärer und sekundärer Amenorrhoe unterschieden. Eine primäre Amenorrhoe liegt bei Frauen vor, die bis zum 16. Lebensjahr noch nie eine Regelblutung hatten. Von einer sekundären Amenorrhoe wird gesprochen, wenn die Regelblutung für mehr als drei Monate ausbleibt, die betroffenen Frauen vorher aber einen normalen Zyklus hatten. Eine Amenorrhoe ist während der Schwangerschaft, der Stillzeit und nach den Wechseljahren ganz natürlich, hat in anderen Lebenssituationen jedoch einen Krankheitswert. Die Eizelle kann nicht optimal heranreifen, es findet kein Eisprung und somit keine Periode statt.

Die Amenorrhoe ist ein relativ häufiges Symptom und betrifft ca. 3–5 % der Frauen im fruchtbaren Alter. Die häufigsten Arten von Amenorrhoe ist das PCO-Syndrom und die hypothalamische Amenorrhoe.

Oligomenorrhoe: Oligomenorrhoe (Oligo = wenig) ist definiert als unregelmäßiger Periode mit einem Abstand von mehr als 35 bis hin zu 90 Tagen. Eine Oligomenorrhoe ist bei sehr jungen Mädchen, nach einer Schwangerschaft oder vor der Menopause normal und hat keinen Krankheitswert. Etwa 13.5% aller Frauen leiden unter Oligomenorrhoe. Eine Oligomenorrhoe ist häufig bei Frauen mit dem PCO-Syndrom, Schilddrüsenproblemen oder nach dem Absetzen der Anti-Baby-Pille anzutreffen

Anovulatorische Zyklen: Neue Forschungen legen nahe, dass selbst Frauen, die regelmäßige Menstruationszyklen haben, möglicherweise keinen Eisprung haben. Man spricht dabei von anovulatorischen Zyklen. Die betreffenden Frauen können aber trotzdem eine monatliche Blutung haben. Es wird angenommen, dass eine der größten Ursachen für stille Ovulationsstörungen Stress ist, sei es körperlicher Stress wie eine Krankheit oder übermäßiger Sport, ernährungsbedingter Stress wie eine zu geringe Kalorienzufuhr oder mentaler und emotionaler Stress. Auch Jugendliche, die gerade ihre Menstruation bekommen, und Frauen in der Perimenopause sind gefährdet, eine stille Ovulationsstörung zu bekommen. Eine Anovulationsstörung ist häufig bei Frauen mit dem PCO-Syndrom, Schilddrüsenproblemen oder nach dem Absetzen der Anti-Baby-Pille anzutreffen


Krankheitsbilder

Nebst körperlichen Anomalien oder Tumoren (welche sehr selten vorkommen) sind die hypothalamische Amenorrhoe und PCOS die häufigsten Krankheitsbilder bei einer ausbleibenden oder unregelmässigen Periode. In meinem Artikel erkläre ich dir den Unterschied zwischen beiden Krankheitsbildern.


Hypothalamische Amenorrhoe

Du bist fit und siehst blendend aus. Du vor der Arbeit joggen oder machst beinahe täglich ein Homeworkout. du bist im Job erfolgreich und gleichzeitig eine gute Freundin, Partnerin und Familienfrau. Doch auch wenn dich andere um deinen gesunden Lifestyle beneiden und dein Leben von aussen perfekt wirkt, so fehlt etwas Essentielles: Deine Periode. Erkennst du dich in dieser Beschreibung wieder? Erkennst du dich in der oberen Beschreibung wieder? Dann leidest du höchstwahrscheinlich unter hypothalamischer Amenorrhoe - dem Zungenbrecher unter den Menstruationsbeschwerden. Schätzungsweise 20-30% aller Frauen, die keine Blutung aufweisen, sollen von der hypothalamischen Amenorrhoe betroffen sein, die Dunkelziffer könnte aber höher sein.


Oft unterdiagnostiziert

Leider besteht (auch bei Gynäkologen und Gynäkologinnen) immer noch die Annahme, dass nur sehr dünne Frauen oder Leistungssportlerinnen hypothalamische Amenorrhoe haben können. Dadurch werden Frauen mit hypothalamischer Amenorrhoe oftmals nicht richtig diagnostiziert. Die Wahrscheinlichkeit die Periode zu verlieren ist wahrscheinlicher, je geringer der BMI ist, dennoch ist es möglich mit jedem (!) Gewicht hypothalamische Amenorrhoe zu bekommen. Eine hypothalamische Amenorrhoe bezeichnet vereinfacht gesagt das Ausbleiben der Periode aufgrund von Stress. Dieser Mechanismus beginnt nicht in den Eierstöcken, sondern bereits im Gehirn. Der Hypothalamus ist die Schaltzentrale im Gehirn, welche wichtige Körperfunktionen wie Schlaf, Appetit, Körpertemperatur und auch unseren weiblichen Zyklus regelt. Bei einer Frau mit hypothalamischer Amenorrhoe setzt der Hypothalamus nicht genug dieser Hormone frei. Die Eizelle kann nicht optimal heranreifen, es findet kein Eisprung und somit keine Periode statt.

Der Stress kann dabei mentaler oder körperlicher Natur sein. Vielfach ist es eine Mischung aus beidem. Häufig sind von hypothalamischer Amenorrhoe betroffene Frauen sehr leistungsorientiert und perfektionistisch veranlagt, haben hohe Ansprüche an sich selber und machen sich viele Gedanken über ihr Bild gegen Aussen. Dadurch gönnen sich zu wenig Ruhe und Erholung in allen Lebensbereichen. Ausserdem zählen ein zu niedriges Körperfettlevel, zu geringe Kalorienzufuhr, schnelle Gewichtsabnahmen oder zu intensiver Sport zu den Risikofaktoren. Eine Studie zeigte, dass bis zu 50% der sportlich aktiven Frauen unregelmässige Perioden hatte und bis zu 30% an Amenorrhoe leiden.

Häufig finden wir bei einer hypothalamischen Amenorrhoe folgende Blutwerte:

  • Östrogen → normal oder niedrig

  • Progesteron → niedrig

  • LH → niedrig

  • LH/FSH-Quotient → häufig kleiner 1

Gefürchtete Folgen

Obwohl viele Frauen intuitiv wissen, dass es nicht gesund ist keine Periode zu haben, so fällt es uns leicht etwas zu ignorieren was nicht da ist. Doch mit einer Amenorrhoe ist nicht zu spassen. Für uns Frauen ist es sehr wichtig einen gesunden Hormonhaushalt zu haben. Eine hypothalamische Amenorrhoe kann längerfristig zu brüchigen Knochen (Osteoporose) führen. Ausserdem erhöht sie das Risiko für Herzkreislauferkrankungen und geht oft mit vielen anderen unangenehmen Symptomen einher, wie Haarausfall, brüchigen Nägeln, Hitzewallungen und Verdauungsstörungen. Und nicht zuletzt kann man natürlich ohne Periode nicht schwanger werden.


PCOS

Das polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS) bezeichnet ein Krankheitsbild, dass ebenfalls durch eine hormonelle Störung ausgelöst wird. Weltweit gelten etwa 10% aller Frauen von PCOS betroffen. Das PCO-Syndrom wird als häufigster Grund für unerfüllten Kinderwunsch angegeben. Es ist charakterisiert durch Zyklusstörungen (Amenorrhoe oder Oligomenorrhoe), einem Behaarungstyp (Hirsutismus), Akne oder Haarausfall (Alopezie) und/oder einer Erhöhung der männlichen Geschlechtshormone im Blut (Hyperandrogenämie). Nur etwa 70% aller Frauen weisen allerdings im Ultraschall die polyzystischen Ovarien auf, die für das PCOS namensgebend waren. Es handelt sich dabei um unreife Eizellen. Umgekehrt müssen aber nicht alle Frauen, die polyzystische Ovarien aufweisen an PCO leiden. Bei vielen, jedoch nicht allen, Frauen mit PCOS findet sich eine Insulinresistenz. Insulinresistenz ist eine Vorstufe des Diabetes Typ 2. Das Hormon Insulin hat eine Vielzahl von Aufgaben. Seine wichtigste ist die Regulation des Zuckerhaushalts. Bei einer Insulinresistenz kann das Hormon Insulin nicht mehr richtig wirken. Die Zellen reagieren nicht mehr auf diesen Befehl des Insulins und nehmen keine Glukose mehr auf. Als Ausgleich produziert die Bauchspeicheldrüse zunächst vermehrt Insulin. Obwohl die Blutzuckerwerte normal sind, ist der Insulinanteil im Blut dann außergewöhnlich hoch. Oftmals besteht dieser Zustand über Jahre, bis die Inselzellen der Bauchspeicheldrüse nicht mehr genügend Insulin produzieren können und ein Diabetes Typ 2 entsteht.


Grosses Risiko für Fehldiagnosen

PCOS ist eine komplexe Erkrankung mit vielfältigen Symptomen, die Diagnose sehr schwierig macht. Das Wort Syndrom im Namen bedeutet ein «durch das gemeinsame Auftreten bestimmter charakteristischer Symptome gekennzeichnetes Krankheitsbild». Für die Diagnosestellung gibt unterschiedliche Diagnoseinstrumente. Eine häufig verwendete Definition wurde im Jahre 1990 von der NIH (USA National Institutes of Health) formuliert. Demnach ist die Diagnose PCOS dann zu stellen, wenn Zyklusstörungen vorliegen und eine Hyperandrogenämie nachweisbar ist. Laut den Rotterdam-Kriterien liegt die Diagnose PCOS dann vor, wenn zwei der folgenden drei Kriterien erfüllt sind: polyzystische Ovarien, Zyklusstörungen, Hyperandrogenämie. Durch die Androgen Excess and PCOS Society wurde 2006 eine weitere Empfehlung erarbeitet, die den Androgenexzess noch mehr betonte. Entsprechend dieser Kriterien ist die Diagnose PCOS zu stellen, wenn Zeichen von Hyperandrogenismus (Hirsutismus oder Hyperandrogenämie) und ovarieller Dysfunktion (Zyklusstörungen oder polyzystische Ovarien) vorliegen. Je nach angewandtem Diagnoskriterium sind zwischen 9-18% aller Frauen von PCOS betroffen.

Allein diese Unklarheit über ein einheitliches Diagnoseinstrument verdeutlicht, dass es nicht immer ganz so einfach ist die Diagnose PCOS zu stellen. Darüber hinaus ist PCOS eine Ausschlussdiagnose, die von den Ärzten verlangt, häufige Krankheiten auszuschließen, die ähnliche Symptome aufweisen könnten.

PCOS birgt ein grosses Risiko für Fehldiagnosen: Einerseits aufgrund der Debatte um die Diagnosekriterien, die unterschiedlich viele Frauen mit PCOS diagnostizieren.

Andererseits sind viele Symptome in einem Spektrum, wo unklar ist, was normal und was nicht normal ist. Einige Studien empfehlen die Diagnose möglichst früh zu stellen. Bei Jugendlichen können aber viele PCOS-Symptome während der Pubertät natürlicherweise auftreten (z. B. Akne oder unregelmäßige Menstruationszyklen). Aber auch der Einnahme der Antibabypille zeigen viele Frauen PCO-Sympotme, oder bei Frauen mit hypothalamaischer Amenorrhoe. Frauen verschiedener Ethnien haben unterschiedlich viel Gesichts- und Körperbehaarung. Auch Akne ist ein geläufiges Symptom. In einer Studie zeigte sich, dass bis zu 45% aller Frauen an Akne leiden.

Eine Fehldiagnose schafft unnötige Ängste vor gesundheitlichen Komplikationen, insbesondere Unfruchtbarkeit, viele Frauen fühlen sich unter Druck gesetzt früh schwanger zu werden oder sich entscheiden zu müssen keine Kinder zu kriegen.


Der Zusammenhang mit dem Gewicht

Wie bei der hypothalamischen Amenorrhoe existiert auch beim PCO-Syndrom das Bild einer «typischen PCOS-Patientin». Es wird berichtet, dass PCOS häufig mit Übergewicht einhergeht, jedoch gibt es dazu unterschiedliche Zahlen.Obwohl Frauen mit PCOS häufiger übergewichtig sind als Frauen ohne diese Erkrankung, bleibt der Zusammenhang zwischen PCOS und Gewicht unklar. Die internationalen Guidelines empfehlen nebst den medizinischen Lebensstilinterventionen, die auf die Vermeidung einer Gewichtszunahme als auch auf die Gewichtsabnahme abzielen Dabei ist nach wie vor nicht bewiesen, dass eine Gewichtsabnahme Verbesserung der PCO-Symptome bewirken kann. Der Jojo-Effekt führt ausserdem zu Gewichtsschwankungen, was wiederum Menstruationsprobeme auslösen kann. Deshalb würde ich eine strenge Gewichtskontrolle durch Reduzierung von Kalorien und Kohlenhydraten und ein strenges Sportprogramm nicht empfehlen.


Gemeinsamkeiten von hypothalamischer Amenorrhoe und PCOS

So unterschiedlich die Hormonstörungen auch wirken, so haben beide einiges gemeinsam: Die hormonelle Balance ist gestört und es kommt zu Amenorrhoe, Anovulatorischen Zyklen oder Oligomenorrhoe. PCOS und hypothalamische Amenorrhoe sind oftmals keine eindeutigen Diagnosen. Beide Hormonstörungen können im Ultraschall polyzystische Ovarien aufweisen. Hypothalamische Amenorrhoe und PCOS werden oft unter- oder überdiagnostiziert– im speziellen, wenn sich der behandelnde Arzt nicht nach dem aktuellen Lifestyle von dir erkundigt. Oftmals wissen Frauen intuitiv, welchem Typ sie eher entsprechen. Es gibt aber auch Frauen, die eine Kombination der beiden Störungen aufweise. Auffällig ist, dass sowohl Frauen, die an hypothalamischer Amenorrhoe leiden, als auch Frauen mit PCOS ein erhöhtes Stresslevel aufweisen im Vergleich zu Frauen ohne Menstruationsstörugnen. Zudem erleben Frauen mit hypothalamischer Amenorrhoe wie auch mit PCOS mehr Angst, Depressionen und Essstörungen als die Normalbevölkerung.


Behandlung

Beide Krankheitsbilder werden oft einfach als gegeben betrachtet werden und mit Medikamenten und Hormonen behandelt. Besonders wenn ein Kinderwunsch im Raum steht, scheint das Mittel der Wahl schnell die künstliche Befruchtung zu sein. Dabei gibt es die Möglichkeit ohne Hilfsmittel wieder einen regelmässigen, fruchtbaren Zyklus zu haben.Wenn du unter Menstruationsstörungen leidest, ist das ein Zeichen dafür, dass aktuell in deinem Leben nicht stimmig ist. Wenn du darauf hörst und es schaffst, deinen Lebensstil dir entsprechend anzupassen, werden sich auch deine hormonellen Probleme legen. Wie das geht? Wir müssen die Ursache der Erkrankung finden und diese angehen. Der Weg dahin ist allerdings etwas länger und beschwerlicher, lohnt sich aber auf jeden Fall. Es ist immer gut sich professionelle Unterstützung zu suchen. Ich weiss, worauf es ankommt, wenn man den Zyklus und die Fruchtbarkeit auf natürliche Weise regulieren will. Falls du gerne mit mir zusammenarbeiten möchtest, dann findest du bestimmt das für dich passende Angebot.


Periodenprodukte nebeneinander

Quellen:

Gordon, C. M., Ackerman, K. E., Berga, S. L., Kaplan, J. R., Mastorakos, G., Misra, M., Murad, M. H., Santoro, N. F., & Warren, M. P. (2017). Functional Hypothalamic Amenorrhea: An Endocrine Society Clinical Practice Guideline. The Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism, 102(5), 1413–1439. https://doi.org/10.1210/jc.2017-00131

Pentz, I., & Nakić Radoš, S. (2017). Functional hypothalamic amenorrhea and its psychological correlates: A controlled comparison. Journal of Reproductive and Infant Psychology, 35(2), 137–149. https://doi.org/10.1080/02646838.2016.1278201

Weitere Quellen auf Anfrage.






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